Montag, 20. Juli 2009

High in the mountains

Suedlich von Xi'an gibt es wunderschoene Berge. Auf den Gipfeln Tempel, auf dem Weg nach oben Kloester. Aber was machen die Moenche und Nonnen da nur den ganzen Tag? Meditieren? Wird das nicht auf Dauer langweilig?

Ich denke schon... am Rand des Gartens eines buddhistischen Nonnenenklosters fand sich jedenfalls diese nette Plantage:


Ich wuensche gute Erleuchtung!

Ja... Nein... Jein!

Man lernt das ja in jedem interkulturellen Training: Chinesen sagen nicht gerne "nein". Auch schlechte Nachrichten ueberbringt man nicht gerne, lieber wird das Problem versteckt und man hofft, dass es sich von selbst loest (oder zumindest niemand was merkt bis man sich aus dem Staub gemacht hat). Das kann im Arbeitsalltag ganz schoen anstrengend sein, aber im Alltag macht es zuweilen sogar Spass.

Letzte Woche auf Dienstreise in Jinan. Unser Hotel liegt mitten im Industriepark, Dank des Mangels an jeglicher Infrastruktur im Hotel und um das Hotel herum kann man sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren. Trotzdem wuerden wir am Abend gerne noch ein Bier trinken und erkundigen uns an der Rezeption. Hier im Haus geht nichts, aber gleich um die Ecke soll es noch ein Hotel mit einer Bar geben. Also gut, Taxi herangewunken, aber der Fahrer kennt das andere Hotel nicht. Auf unsere Bitte erklaert ihm das Maedel von der Rezeption den Weg.

Fuenf Minuten spaeter kommen wir am anderen Hotel an. Ein Hotelangestellter oeffnet uns die Fahrzeugtuer, und als wir ihn gleich nach der Bar fragen schaut er erst etwas betreten, schickt uns dann jedoch in die Eingangshalle. Wieder fragen wir nach der Bar... Die Dame von der Rezeption meint sie sei sich nicht sicher, ob es hier wirklich eine Bar gibt. Haeh? Aber OK, wir fragen nochmal nach, schliesslich hatte uns der Angestellte von draussen ja bestaetigt dass es eine Bar gibt. "I am not so sure about this". Wir gehen nochmal raus und lassen uns bestaetigen, dass es drinnen eine Bar gibt. Und als Auslaender sind wir beharrlich, wir bringen jetzt die Rezeptionsdame und den Angestellten von draussen zusammen, um das Problem zu loesen. Die beiden diskutieren eine Weile, koennen aber anscheinend auch nicht rauskriegen ob es drinnen jetzt eine Bar gibt oder wo sich diese gerade versteckt haelt. Nach einer Weile klopfen wir hoeflich an; die beiden wenden sich an ihr Management. Und weiter wird diskutiert.

Auch dieses Hotel liegt in der Mitte von nirgendwo, und wir fuerchten, dass unser Taxifahrer nicht auf uns wartet wenn wir uns nicht bald entscheiden zu bleiben oder ihn fuer eine Stunde spaeter wieder herzubestellen. Die Diskussion zwischen den Hotelangestellten ob es jetzt eine Bar gibt oder nicht findet immer noch kein Ende, vielleicht schauen sie gerade hinter jeder Tuer nach ob da nicht doch eine ist. Ausserdem schauen sie immer wieder zu uns, in der Hoffnung, dass wir (und damit das Problem) einfach verschwinden.

Aber wie gesagt, wir sind ja Auslaender, und deshalb fragen wir nochmal: Hat das Hotel jetzt eine Bar oder nicht. Das restliche Personal tritt den Rueckzug an, nur der Manager bleibt und schaut betreten zu Boden. Nein, es gibt leider keine Bar, er ist deeply sorry und ueberhaupt. Und nein, auch sonst gibt's in der Gegend nichts.

Traenen lachend fahren wir in einen kleinen Supermarkt und verbringen den Abend mit Dosenbier im Hotelzimmer meines Chefs.

Sonntag, 19. Juli 2009

Sonntag, 7. Juni 2009

Es geht ein Zug... (oder auch nicht)

China hat das längste und bestausgebaute Schienennetz der Welt. Bei potentiell 1.4*0^9 Passagieren (und zumindest an Neujahr fährt ein Viertel davon wirklich Zug...) gelangt es allerdings trotzdem schnell an der Grenze seiner Belastbarkeit.

Wir wollten auch mal Zug fahren, und zwar nach Pingyao. Das ist eine mittelalterliche Stadt zwischen Xi'an und Taiyuan:


In Pingyao gibt keinen Flughafen, aber es gibt einen Bahnhof; und es gibt eine direkte Verbindung nach Xi'an. Was also liegt näher als den Zug zu nehmen? Nun ja, da gibt es noch das kleine Problem mit dem Fahrkartenkauf. Nicht die Sprache... das kriegen wir mittlerweile hin, und im Zweifelsfall findet sich ein chinesischer Freund zum Übersetzen. Nein, Chinesen haben wirklich ein unglaubliches Talent sich das Leben ohne Grund möglichst schwer zu machen.

In Xi'an gibt es ca. 20 Verkaufsstellen für Zugtickets, alle sind per Computer vernetzt. Sie haben jederzeit den Überblick, wie viele Tickets für welchen Zug noch erhältlich sind. Leider kann man die Fahrkarten nicht beliebig im voraus kaufen, die Vorverkaufsfrist beträgt zwischen 3 und zwanzig Tagen, je nach Zug, Bahnhof und Datum. Eine deterministische Formel für die Frist habe ich noch nicht gefunden, man muss halt nachfragen. Und zwar jeden Tag, ansonsten verpasst man schnell den Übergang von „hai mei you“ (gibt's noch nicht) zu „mei you le“ (gibt's nicht mehr)...

Der nächste Haken: An allen Vorverkaufsstellen erhält man Tickets für Züge von Xi'an nach anderswo. Die Rückfahrkarten bekommt man allerdings nur an der Vorverkaufsstelle am Hauptbahnhof. Da helfen alle Computer nichts. Bis vor kurzem gab es Rückfahrkarten nur am Zielort, das mit dem Verkauf am Bahnhof ist schon eine deutliche Verbesserung. Der Bahnhof ist allerdings am anderen Ende der Stadt, und man müsste ja jeden Tag hin, bis es dann endlich mal Fahrkarten gibt. Nervig. Aber in China gibt es immer einen Ausweg, man kann einen „Agent“ beauftragen, für eine kleine Gebühr den Fahrkartenverkauf zu übernehmen. Der steht dann wahrscheinlich jeden Tag mit seinem Auftragsbuch in der Schlange. Ausserdem ist der Weiterverkauf von Fahrkarten illegal, aber das betrifft ja nur den Agenten und der wird das schon regeln.

Aber noch was: Rückfahrkarten gibt es nur ab der Endstation. Pingyao ist ein kleiner Provinzbahnhof, und natürlich enden hier keine Züge. Nein, einfach ab der nächsten größeren Stadt buchen geht auch nicht, denn nach maximal einer Stunde werden unbesetzte Plätze weiterverkauft (von Taiyuan sind es nach Pingyao eine Stunde und 5 Minuten).
Also... aufgegeben und Flug nach Taiyuan gebucht, ist ohnehin nur unbedeutend teurer. Von Taiyuan nach Pingyao ist es nur eine Kurzstrecke, sollte zu schaffen sein.

Am morgen nach der Ankunft in Taiyuan... der Flug von Xi'an (50 Minuten) hatte 6 Stunden Verspätung „due to Airline“, sodass wir erst nachts um 1 im Hotel ankamen. Im MaiDengLou neben dem Hotel (24 Stunde Service, Hahaha) gab es zu der Zeit nur noch süße Kuchen und Chickenburger, also hungrig ins Bett und am nächsten Morgen schlechtgelaunt aufgestanden. Dann noch das mit Jennifer Rush, siehe unten... also, ab zum Bahnhof, Fahrkarten kaufen. Am Bahnhof das erwartete Chaos. Eine Anzeigentafel zeigt, für welche Züge es noch Tickets gibt.


Ich hatte zwar im Netz recherchiert, dass es alle halbe Stunde einen Zug gibt, aber wir müssen erstmal mehrere Stunden auf einen freien Zug warten. Und unser Zugticket enthält neben der Wagennummer die beiden Zeichen 无座, was nichts anderes heißt, als dass wir trotzdem keinen Sitz garantiert haben.

Beim Betreten des Bahnhofs werden erstmals die Fahrkarten kontrolliert, das Gepäck wird durchleuchtet. Es gab wohl Fälle, in denen Chinesen mit mehreren Kilo Feuerwerk bepackt den halben Zug in die Luft gejagt haben, das will man in Zukunft vermeiden. Im Bahnhof gibt es dann einen Warteraum für die Reisenden im Soft Sleeper und 4 große Wartesäle für die Normalsterblichen. Nein, keine freie Platzwahl, der Wartesaal hängt vom Zug ab. Ist aber alles klar ausgeschildert:


Im Wartesaal geht es zunächst noch zivilisiert zu, aber der Anschein trügt. Schließlich sind wir in China. Die Stimmung ist in etwa wie bei einem Rockkonzert vor Öffnung der Eingangstüren, und um das erwartete Chaos abzumildern steigen ein paar Schaffner schonmal durch die Massen und entwerten die Tickets.


Als die Türen zum Bahnsteig dann endlich aufgehen (nur für jeweils einen Zug) drängt sich die Masse durch die kleine Eingangstür, danach wird so schnell es geht losgerannt. Wie gesagt, wie bei einem Rockkonzert wenn man in die erste Reihe möchte.


Der Grund ist klar, wer zuerst am Wagen ist kriegt einen Sitzplatz, und wie in China üblich – der stärkere siegt. Als 1,94m großer Ausländer bin ich hier klar im Vorteil (zumal sie eh Angst haben, mich anzurempeln) – wir ergattern also einen Sitzplatz. Der Zug ist eigentlich ganz bequem, es werden Essen und trinken verkauft, und für eine einstündige Fahrt lässt es sich aushalten. Bis auf die Musik... siehe unten.



Nach der Ankunft wird man von chinglischen Schildern zum Ausgang geleitet und muss noch einmal seine Fahrkarte vorzeigen, dann hat man es geschafft.


Wir wollen uns jedoch am Bahnhof gleich noch die Rückfahrkarte nach Taiyuan kaufen. Die Szene ist dieselbe wie in Taiyuan, eine überfüllte Schalterhalle, eine Anzeigetafel - und Rückfahrtickets für zwei Tage später sind alle schon ausverkauft. Aber es gibt eine Überraschung. An den Schaltern stehen alle geordnet in Schlangen, die Wartezeit beträgt ca. ½ Stunde. Eine Frau läuft seelenruhig an der Schlange vorbei und geht direkt zum Schalter. Keine ungewöhnliche Situation; normalerweise lösen sich spätestens jetzt alle Warteschlangen auf und die hinten stehenden Leute versuchen ebenfalls zum Schalter zu kommen, das Ganze endet im üblichen Chinesenknäuel. An Flughäfen, Bushaltestellen, Banken, bei Ärzten – wo auch immer man sich anstellen könnte gibt es irgendwann ein großes Gewusele. Aber nicht hier. Die Frau läuft zum Schalter, und ein Mann in der Schlange schreit sie an. Sie ignoriert das, mehr Leute schreien sie an. Sie ignoriert es immer noch, bis jemand aus der Schlange nach vorne rennt und sie mit Gewalt vom Schalter wegzerrt. Sie kreischt kurz, und andere aus der Warteschlange versuchen den Wegzerrer zu beruhigen, der anfängt auf die Frau einzuschlagen. Die Frau drängt sich wieder seelenruhig zum Schalter vor und ignoriert das Geschrei, ignorieren können sie gut hier. Uniformierte Aufseher beobachten das Ganze und greifen nicht ein, der Fall war wohl in der Job Description nicht vorgesehen. Am Ende sind wir genau da wo es wohl enden musste: Gewusel und Chaos.

Pingyao war dann ganz schön, eine der wenigen mittelalterlichen Städte, die den Modernisierungswahn der 80er und 90er überstanden haben. Und ebenso die Kulturrevolution, die Statuen hatten alle noch Köpfe.


In der Stadt gibt es merkwürdige Regeln. Drachen müssen hier nörgeln:


Die Innenstadt sollte eigentlich auto- und fahrradfrei sein, man hat freundliche Hinweisschilder aufgestellt und (weil sowas in China niemals ausreicht) die Straßen mit Barrieren abgesperrt. Wenn jemand eine Idee für eine Absperrung hat, die Fußgänger durchlässt, aber Fahrräder draußen hält – bitte bei den Stadtvätern von Pingyao melden.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Mir kleben die Ohren

Ich habe heute bruellend laut meine Best-of-ACDC gehoert, danach die neue Metallica, und zum Abschluss noch Depeche Mode. Das war wie eine erfrischende Dusche nach einem Bad in Jauche. Wieso? Nun, am Wochenende sind wir mit dem Zug gefahren, in der billigsten Klasse, dem "Hard Seater". Der groesste Haken am Hard Seater ist allerdings nicht der harte Sitz, der ist vielmehr recht weich und ich habe in Deutschland schon unbequemer gesessen. Der groesste Haken ist der nicht abstellbare Lautsprecher in der Wagendecke. Dort werden immer die naechsten Stationen angesagt, das ist durchaus hilfreich da die Zuege nur kurz halten und wenige Zeit zum Aussteigen ist. Aber anscheinend koennen Chinesen Stille nicht ertragen oder sie muessen sich permanent versichern, dass die Krachanlage auch wirklich noch funktioniert. Und wie macht man das? Man spielt Musik. Non-Stop. Saxophon. Kenny G. Und der covert dann Rock-Klassiker wie Celine Dion, Richard Marx, Phil Collins und die Carpenters. Ohne Pause, stundenlang.

Beim Fruehstueck im Hotel vor der Abfahrt hatten wir schon eine Stunde "Power of Love" von Jennifer Rush gehabt. Im Original, ohne Kenny G. Immer wenn es zu Ende war ging es wieder von vorne los. So laut, dass man sich kaum unterhalten konnte.

Anders als Qimonda wird mein neuer Arbeitgeber keine Erschwerniszulage fuer den Aufenthalt in China zahlen... :-(

Freitag, 29. Mai 2009

Great Wall

China loben? Das passt wohl nicht ins Konzept. Blogspot ist mal wieder hinter dem Great Firewall of China verschwunden. Man kommt von hier nur noch unter groesseren Verrenkungen ran; bloggen geht nur sehr eingeschraenkt (lesen Dank "Great Ladder" etwas besser...).

Liebe Ober-Parteifuzzis, macht's doch bitte wieder auf. Das mit den Proxies ist echt laestig, haelt aber auch niemanden auf. Ich verspreche auch, in Zukunft nur noch lustige oder kritische Artikel zu schreiben und keinerlei Lob mehr ueber Euer Land auszusprechen. OK?

Freitag, 8. Mai 2009

I like chinese

Genug gemeckert. Ja, der Verkehr ist chaotisch, die Luft dreckig, die Menschen (oft) rücksichtslos. Aber es gibt doch eine ganze Menge Dinge, die hier besser funktionieren als in Good Old Europe. Einige Beispiele gefällig?

Beim Friseur (übrigens immer inklusive Kopfmassage vorher!) fallen keine Haare in den Kragen. Ich habe keine Ahnung, wie sie das hinkriegen – aber der Haarschnitt zieht hier niemals Kratzen im Nacken oder Jucken am Rücken nach sich. Ich habe noch nicht einen einzigen Friseur in Deutschland gefunden, der das hin bekommen hat.

Am ersten Maiwochenende wollte ich mit dem Bus in die Berge. Dieselbe Buslinie fährt auch zur Terakotta-Armee, und da das Wetter schön war und am langen Maiwochenende viele Chinesen gerne einen kleinen Ausflug machen war ich nicht alleine an der Bushaltestelle. Die Warteschlange war einige hundert Meter lang und fasste tausende Menschen. Ihr habt richtig gelesen, es ist kein Tippfehler: Die Menschen standen in einer geordneten Schlange an (zugegebenermaßen Dank massiven Einsatzes von Ordnungskräften, aber immerhin). Die Busse kommen im Minutentakt, werden nur soweit gefüllt dass es drinnen noch angenehm ist und nach einer knappen halben Stunde ist die gesamte Menschenmasse völlig ohne Chaos abtransportiert. Wer mal erlebt hat wie vollkommen hilflos und unprofessionell die Münchner Verkehrsbetriebe jeden Samstag aufs Neue davon überrascht werden, dass etwas mehr Menschen als sonst am Odeonsplatz in die U-Bahn Richtung Stadium einsteigen wollen, der ist von der chinesischen Variante auf jeden Fall beeindruckt.

Überhaupt Busse... ja, sie sind oft ueberfuellt und nicht gerade in bestem Zustand. Aber dafür fahren sie auf allen Linien im Takt von wenigen Minuten. Und wieder schöne Gruesse an den MVV (ich würde jedenfalls auch in München lieber in einem rostigen Bus mit einer billigen Holzbank sitzen als im Regen auf ein frischlackiertes Edelfahrzeug mit Stoffsitzen zu warten, das nur alle 40 Minuten kommt, weil mehr Busse einzusetzen zu teuer wäre).

Eine 90-minütige Massage ist an unzähligen Orten für wenige RMB zu haben. 24 Stunden am Tag. Nichts anzügliches, einfach nur Wellness pur. Statt in die Kneipe geht man nach dem Abendessen gemeinsam zur Massage. Ein Jahr Internet-Flatrate übers Mobiltelefonnetz (3G) kostet weniger als 100 Euro. Gut, man ist dabei hinter der Great Firewall of China, aber dafür funktioniert Google Music. Und jetzt die logische Kombination: Es mag dekadent scheinen, während einer Fußmassage per Netbook zu surfen und die MP3-Sammlung zu erweitern. Aber es hat was.

Das am weitesten verbreitete Verkehrsmittel in der Stadt sind entgegen aller Klischees nicht klapprige Fahrräder und entgegen aller China-wird-zu-groß-Panik auch nicht private PKWs, sondern Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor und Elektroskooter. In Deutschland wird wahrscheinlich in 10 Jahren noch über die Innovation elektrischer Antriebe geredet während man sie hier einfach benutzt.

Anstatt Hunde auf die Straßen scheißen zu lassen isst man sie einfach auf. Zumindest in einigen Regionen. Ist der Köter erst mal im Hotpot kann er keinen Dreck mehr auf dem Bürgersteig hinterlassen.

Die Ampeln zeigen neben rot oder grün auch an, wie lange es noch bis zum Umschalten dauert. Das ist zwar hier vollkommen unerheblich (siehe Verkehr), wäre aber in Deutschland durchaus hilfreich. Und man spart sich dadurch das absolut überflüssige gelbe Licht („Ampel geht nicht“ kann man anstelle von Blinklicht übrigens auch durch „Licht aus“ visualisieren).

Die meisten Mädels tragen im Sommer kurze Röcke und Hosen. Sehr kurze. Und: Alle die dies tun können es sich auch leisten. Für Geschmacksverwirrungen bei der Wahl der Kleidung sind in China ausnahmslos die Männer zuständig (ich sage nur: dicker Bauch, T-Shirt bis zum Hals hochgezogen). OK, die eine Ausnahme (fleischfarbene Söckchen in eleganten Stöckelschuhen) lasse ich gelten. Aber das war's dann auch. Und siehe unten: 120 Millionen davon sind heiratswillig ;-)

Große Supermärkte und Einkaufszentren haben bis 22 Uhr geöffnet, kleine Läden länger, in den meisten Wohnanlagen gibt es einen 24-Stunden-Shop. Wenn man nicht selbst gehen möchte ruft man an, sie liefern an die Wohnungstür. Ohne Mindestbestellmenge, auch wenn's nur eine Tüte Nüsse oder eine Rolle Klopapier ist. Gerade letzteres kann lebensrettend sein wenn man mal wieder bei der Aufstellung der Einkaufsliste geschlampt hat... Banken, Post und Behörden haben natürlich am Wochenende auf, denn in der Woche müssen die Kunden ja selbst arbeiten. Für den nicht bei Ver.di organisierten Teil der Bevölkerung ist das jedenfalls angenehmer.

Es sind immer ausreichend Bedienungen im Restaurant vorhanden. Es kann sein, dass man zu Stoßzeiten mal ein paar Minuten aufs Essen warten muss, aber Speisekarte und Rechnung kommen immer prompt. Und auch hier wieder Grüsse an diverse Restaurants in München, schaut's Euch ruhig a bisserl was beim Chinesen ab! Jacken werden übrigens in besseren Restaurants mit Stoffbezügen gegen Essensgeruch oder Zigarettenqualm geschützt. Man bestellt das Essen gemeinsam, und jeder darf von allen Gerichten essen. Schön abwechslungsreich.

Niemand käme hier auf die Idee, an bestimmten Tagen laute Musik oder das Tanzen zu verbieten, nur weil vor knapp 2000 Jahren ein langhaariger Prediger im Nahen Osten hingerichtet wurde. Übrigens auch nicht weil ein Großer Vorsitzender gestorben ist.

Wenn Parks oder Gärten neu angelegt werden (oder auch nur Straßen und Bürgersteige verschönert), dann werden ausgewachsene Bäume eingepflanzt. Nach spätestens einem Jahr haben die auch wieder vollständiges Laub und spenden angenehm Schatten. Nicht so wie in Deutschland, wo man sich bei jeder vergleichbaren baulichen Maßnahme erstmal vorstellen darf, wie schön das Ganze doch in 20 Jahren erst aussehen wird wenn aus den kleinen Pflänzchen endlich richtig große Bäume geworden sind. Nein, in China ist ein Park nach Ende der Bau- und Pflanzungsarbeiten auch wirklich fertig.

Wenn jetzt jemand meint das sei alles zu positiv, der setzte sich bitte hin, bohre sich ein Loch ins Knie und gieße ein Glas Milch hinein. Wenn ich mal wieder in China zum Arzt muss, der Strom ausfällt, ich einem gelben LKW nur durch einen beherzten Sprung in eine Pfütze ausweichen kann oder einen Blick in den Amnesty-International-Jahresbericht werfe, dann jammere ich wieder. Aber es ist eben nicht alles nur schwarz und weiß.