Mittwoch, 26. November 2008

7 Hochzeiten und eine Speisekarte

Letztes Wochenende in Guangzhou (Kanton): Nach einem ganzen Tag Stadtbummel suchen wir ein Restaurant. Das im Reiseführer empfohlene finden wir schnell. Außen ein prächtiges Gebäude, doch innen rosa und violette Luftballons, weiße Plastikrosen, Seifenblasenmaschinen, betrunkene Chinesen – leider heute geschlossene Gesellschaft(en), Hochzeitsfeiern. Na gut, kein Problem in Kanton ein kantonesisches Restaurant zu finden, dann eben ins nächste. Drei Stockwerke, hunderte Sitzplätze – und in der Tat findet sich hier zwischen den Hochzeitsfeiern noch ein kleiner Bereich für hungrige Laufkundschaft. Ich zähle mindestens sieben verschiedene Hochzeitsgesellschaften, aber das Lokal ist recht verwinkelt, sodass ich sicherlich noch einige übersehen habe. 

Ich habe mittlerweile einige chinesische Hochzeitsfeiern erlebt, meist sind sie (zumindest für die Gäste) „kurz und schmerzlos“: Etwas Smalltalk vorher, 30 Minuten Reden (inkl. der eigentlichen Zeremonie), 1 Stunde Essen. Die Braut zieht sich während dieser Zeit dreimal um, sehr schöne Kleider, aber dadurch verbringt sie mehr Zeit im Umkleideraum als mit den Gästen. Während des Essens stößt das Brautpaar mit allen Gästen an, wobei sie meist Schnaps aus einem eigens dafür vorgesehenen Krug trinken – stark verdünnt, ansonsten würden sie das bei 100 und mehr Gästen kaum durchstehen… für die Gäste gibt es natürlich echten Baijiu (Schnaps). Wenn die Gäste gesättigt sind geht es recht schnell: Teller leer, Danke, Tschüß, allgemeiner Aufbruch. Oft ist die Feier nach weniger als zwei Stunden schon beendet. 

Wir waren abends gegen halbacht im Restaurant, sodass ich nicht sagen kann, wie viele Feiern am selben Tag vorher schon stattgefunden haben. Aber sicherlich wurden an diesem Tag einige Bünde fürs Leben geschlossen… wichtig ist natürlich auch das Hochzeitsfoto im Restaurant, und da es eben so viele parallele Gesellschaften gibt kommt man sich auch mal ins Gehege. Die Fotografen der Gesellschaft im ersten Bild finden sich selbst als Motiv der Gesellschaft im unteren Bild wieder :-)


Ach ja, nachdem wir am Nachmittag auf einem Markt gesehen haben, welche Zutaten in Kanton zu Essen verarbeitet werden wollen wir kein Risiko eingehen. „You mei you yingwen caidan?“ – „You!“. Es gibt also eine englischsprachige Karte, insofern lassen wir uns nieder, bestellen ein Bier und studieren die Karte. Die erste Seite war mit „The abalone joins the wing belly” betitelt und enthielt die Gerichte:

• Braised bird’s nest with rock candy
• Braised sea cucumber in abalone sauce
• Baozhi deduction of plastic flowers
• Shrimp eggs & sea slugs
• Braised goose feet in abalone sauce
• Braised baozi fin
• Ho expense only t he original stem Powell
• Beijing liao senate Congbao
• Thai papaya stew Xueha
• Honglian Don Xueha
• Tianma don porcine brain
• Yuanyang lumbar Don Eucommia

Seite zwei (“The cook is carefully selected”)

• Gold-brick deep fried tofu
• The shrimp sauce flower sirloin steams a bean curd
• Bamboo sheng water melon soaks a pair fresh
• The incense fries beard chicken
• Green melon pulp is broken cooking fish rotten
• The incense fries saltwater fish
• Wen Nan burned pumpkin lobster sauce
• Salty chicken saves the melon boiler
• Souther fried milk Oupian spent meat
• The rude towline oat soaks the treasure bacterium
• Mainz is fresh Huaishan burning Xiangyu
• Jade gingko Caterers fresh bamboo
• Oat-melon Liu Zhusheng Baptist

Seite drei (“Chao Zhou City the Hakkas local flavour”)

• The Hakkas fries the wine bean curd boiler
• Dyadic Bai Guo Guo of tide belly boiler
• Spare Ribs with Bitter Melon style boiler
• Pan-Fried Eggs with Minced Pork and Vegetables
• The Hakkas egg angle boiler
• The Hakkas fries wine Triratna
• Dyadic pickled chinese cabbage of tide soaks tooth hairtail
• Big leaf mustard soak pair of ball
• Salty pig bone soya bean spring disk boiler
• The pig bone hot pot drenches the radish
• Soya bean sauce steams a streaky pork
• Soya bean sauce Sauted Seasonal Vegetable

Seite vier (“The North and South Gathers Together”)

• White river juice eel ball
• Sichuan returns to nest meat
• Kung Pao chicken component
• The fragrance explodes the hot pepper chicken
• Chops the pepper bouillabaisse ju
• Poached sliced beef in hot chily oil
• Old nominal mother flesh is broken steaming a bean curd
• Pan-seared green chili pepper
• Bubble hot spice plant cooks fish and water
• Three glasses of baked steak
• Three glasses of baked chicken
• Pineapple shelled fresh shrimps
• The lotus celery stir-fries black hot spice plant intestines
• Xizhi baked silver Xueyu

Seite fünf (“The five cereals good harvest”)

• Hoi Wong Tai Lam dish of fried rice
• Plum dish julienne pork fried rice
• Goose liver sauce cherishes bacterium fried rice
• Xo pickle stir-fries cattle River far
• Stir-fry cattle river with no result
• Three silk fried rice-flour noodles
• Three silk Sauteed Noodles with Vegetables
• Shrimp eggs he’s | she’s face cooked to no sauce
• Broken fish soup flesh gap bridge rice line
• Japanese-style dishes from soup Udon

Keine Ahnung warum Mainz jetzt Xiangyu niederbrennen will, was die Bakterien im Reis machen oder warum Steaks im Glas serviert werden – aber das Beed in Chillie-Öl war extrem gut!

Mittwoch, 19. November 2008

Ein Pferd reiten

„Qima“ heißt „ein Pferd reiten“. Und „um Hanf betteln“. Und „auf Lepra hoffen“. Und „Die Ehefrau schimpft“. Und noch einiges mehr, je nachdem wie man es ausspricht. Wenn man es richtig ausspricht kann es immer noch „Ziffern fahren“ heißen, aber das macht dann doch keinen Sinn. Leider ist es nicht immer so einfach, denn oft gibt es im Chinesischen keine Möglichkeit, aus den gesprochenen Worten alleine zu schließen was der Sprecher sagen will. Man braucht dann Schriftzeichen, damit das Ganze eindeutig wird; das ist wohl auch der Grund warum chinesische Nachrichten im Fernsehen immer untertitelt sind. Oder der Zuhörer stellt einfach eine Vermutung an, was denn der Sprecher wohl sagen will und reagiert dann entsprechend. Nachfragen wäre unhöflich. Wenn die Reaktion dann nicht passt wird der Sprecher ebenfalls nicht darauf hinweisen, auch das wäre unhöflich.

Aber um wieder aufs Thema zu kommen noch ein Bild von unserem Ausflug ins Umland:

Zeitreise

Letztes Wochenende haben wir einige Attraktionen westlich von Xi’an besucht. Unsere Sekretärin hat die Telefonnummern einiger vernünftig fahrender Taxifahrer mit halbwegs gut gewarteten Fahrzeugen, und so haben wir uns für den Ausflug einfach ein Tag ein Taxi gemietet. Für Ziele im Umland ist das mit Abstand die komfortabelste Art der Fortbewegung, und wenn man einen Fixpreis aushandelt auch durchaus bezahlbar. Am Ende des Tages standen nach 10 Stunden und ca. 300 Kilometern Fahrt knapp 700 RMB auf dem Taxameter, aber wir hatten uns vorher auf 450 RMB (ca. 50 Euro) geeinigt.

Zunächst ging es auf der Autobahn Richtung Baoji westlich aus Xi’an heraus. Wie immer waren die Mautstationen, an denen man zahlen muss, mit Frauen besetzt. Ich habe das auch in anderen Landesteilen gesehen: bei der Ausgabe der Mautkarten gibt es mal Frauen, mal Männer – aber Geld einkassieren, das überlässt man immer den Damen.

Nach ca. einer Stunde haben wir dann erstmals die Autobahn verlassen, um die Kaisergräber von Maoling („Die Pyramiden von China“) zu besichtigen.

Von nahem waren die Grabanlagen weniger spektakulär, die wenigen wirklich alten Kunstgegenstände kamen in Anbetracht der in Shaanxi üblichen Betang-Kultur kaum zur Geltung. „Betang“ sind moderne Betonbauten, angeblich im Stil der Tang-Zeit entworfen und mit brauner Farbe als Holzimitat angestrichen. Findet sich hier in der Gegend wirklich überall, von „Tang-Themenparks“ bis zu Shopping-Malls. Anscheinend gibt es Leute, denen das gefällt. Echt alter Stein und echt alter Stein im Betang-Umfeld:

Weitaus beeindruckender ist das ländliche Leben in Shaanxi. Xi’an zu verlassen ist wie eine Zeitreise ins vorletzte Jahrhundert. Viele Straßen sind ungepflastert, vor den Häusern liegen Körner zum Trocknen ausgebreitet, auf dem Dorfplatz dreschen die Frauen das Getreide, ein Mann kommt uns mit zwei Ziegen entgegen; an den Strassen Händler mit Körben voller Obst und Gemüse; von Menschen gezogene Karren, meterhoch mit Stroh beladen; das Leben spielt sich auf den Strassen ab. 


Zwischen den Dörfern befinden sich endlose Felder, auf denen immer wieder kleine Erdhügel zu sehen sind. Ab und zu gibt es neben diesen Hügeln Gedenktafeln, und fast immer ist in den Hügel eine kleine Tür eingelassen – es sind Gräber. Wo man auch hinschaut, man hat auf den Feldern eigentlich immer solche Grabhügel im Blick; es ist wie auf einem hundert Quadratkilometer großen Friedhof. Dabei handelt sich nicht um vorzeitliche Anlage, auch heute noch werden die Toten in ländlichen Gebieten einfach auf den Feldern beerdigt. Mähdrescher oder Traktoren würden dadurch zwar behindert, aber die Arbeit auf den Feldern wird ohnehin meist noch von Menschen verrichtet.


Eigentliches Ziel unseres Ausflugs war der Tempel von Famen, ein bedeutendes Buddhistisches Zentrum in Zentralchina. Auch hier gab es wieder wenig echte alte Anlagen und viel Betang. Man beachte das im Bau befindliche Betang-Monstrum im Hintergrund:

Zuletzt waren wir dann noch an den Kaisergräbern von Qianling.. Am Eingang der Anlagen kamen wir mit einer Verkäuferin ins „Gespräch“ (so man das mit meinen extrem bescheidenen Chinesischkenntnissen denn so nennen kann…), die uns dann einlud, ihr Häuschen zu besichtigen. Es war eigentlich weniger ein Haus, als eher in die Lehmberge eingegrabene befestigte Grotten. In einer der Grotten Ziegen und Hühner, in der nächsten die Küche und zuletzt die Wohn/Schlafgrotte (mit Fernseher und Kühlschrank). Sah alles auf den ersten Blick ganz gemütlich aus, wenn auch wahrscheinlich ohne Heizung und fließend Wasser…


Was die Gräber selbst angeht: Mittlerweile hatte ich es aufgegeben, zu unterscheiden was alt und was neu ist. Seht selbst:

Und weil es so schön war zum Abschluss noch ein kleiner Fund vom Wegesrand:

Sonntag, 2. November 2008

City Wall Marathon

Mir tut noch alles weh, denn gestern habe ich am internationalen City-Wall-Run in Xi’an teilgenommen . Einmal auf der Stadtmauer die Innenstadt umrunden, Gesamtlänge 13.7km.
Beginnen sollte das Ganze um 8:40, die Läufer sollten deshalb schon um 8:00 da sein und ich hatte meinen Wecker auf 6:30 gestellt. Selbst schuld, bin ja schon fast ein Jahr in China und hätte mir denken können, dass das nicht pünktlich anfängt…

Kurz nach 8 war ich am Southgate, wo die Läufer mit Tänzen und lauten Trommeln begrüßt wurden. Gwen (aus unserer Personalabteilung), Jens (Kollege aus Suzhou) und Guo (unser Company-Driver) waren auch da. Jens ist ca. 2m groß und blond, sodass wir uns im Gedränge schnell fanden und ich zur Abwechslung mal mit meinen 1,94m NICHT das beliebteste Fotomotiv weit und breit war. Wie bei großen Läufen üblich hatten wir vorher Lauf-Shirt und eine Tasche für unsere Sachen bekommen. Anders als bei großen Läufen üblich konnte man jedoch die Tasche nirgendwo deponieren, die Idee (sofern vorhanden) war wohl, dass man die als Rucksack beim Lauf mit sich trägt. Zum Glück konnten wir noch eine Kollegin erreichen, die dann auf unsere Taschen aufgepasst hat.

Irgendwer erzählte dann, wir müssten uns noch registrieren. Toll, kein Schild, nix. Da hinten, auf die andere Seite des Stadttors sollen wir gehen. „Ist hier die Registrierung?“ – „Ja, aber nur für die 5km-Stgrecke“. „Wo ist die für 13.7km?“ – „Wo Bu Zhidao“ (= keine Ahnung). Aber da hinten ist ja noch ein Menschenpulk. 13.7km? Nein, dieses mal für die Halbmarathonstrecke (Chinglish: „Semi Journey Marathon“). Aber die zahlreich vorhandenen Volunteers sind hilfsbereit und schicken uns wieder auf die andere Seite des Tors, da wo wir ursprünglich herkamen. Siehe da, ein Schild „´Registration 13.7km“, davor aber nur drei grimmig dreinschauende Frauen (auch mit Volunteer-Armband), die sich dann noch demonstrativ wegdrehen als wir Ausländer uns nähern. Zu schwierig mit Ausländern zu verhandeln, besser weggucken. Wir starten dann später ohne Registrierung, interessiert ohnehin niemanden.

Ausländische Teilnehmer gab es übrigens einige, worauf die Veranstalter sichtlich stolz waren. Die Mädels mit den Länderschildern sind jedenfalls mehrmals ein- und wieder ausmarschiert (siehe Bild).


Die Läufer für die verschiedenen Distanzen kann man leicht an den Farben ihrer Lauf-Shirts unterscheiden: weiß 5km, blau 13.7km, rot Halbmarathon. Und dann gibt es noch welche in prächtigen, weiss-rot-goldenen Sportanzügen. Erster Gedanke: Toll, die haben ein paar Olympiamedaillengewinner als Ehrengäste. Aber die sind doch alle etwas zu alt, und irgendwie sehen sie von der Statur eher unsportlich aus? Später stellte sich heraus: Das waren der Bürgermeister von Xi’an und weitere Honoratioren, die haben zunächst längliche Reden gehalten (das macht man hier gerne) und sind dann als erste Gruppe an den Start gegangen. Die haben wirklich Rennen simuliert, mit Startschuss und allem. Sollen dann aber nur wenige hundert Meter gewesen sein, und wahrscheinlich hat der Bürgermeister gewonnen. Zumindest durfte er als allererster loslaufen, die anderen blieben beim Start brav hintendran.
Der richtige Start verlief dann wie erwartet chaotisch: zunächst mal wollte ein Teil der Läufer schon vor dem Startschuss los, und zudem hatten sich die Fotografen optimal direkt vor dem startenden Pulk positioniert, sodass dann im Gedränge auch noch Ausweichmanöver notwendig waren. Unterwegs wurde ich dann als Ausländer ganz besonders angefeuert, auch wenn sich 13.7km ab der halben Distanz doch recht laaaang anfühlen. Immerhin hab ich’s dann doch noch mit meiner persönlichen Vorgabe 1h:15min einmal um die Mauer geschafft. Wievielter ich wurde weiß ich nicht. Das hat ein Schiedsrichter den Läufern beim Zieleinlauf individuell zugerufen. Hat man mir nachher erzählt.

Nachtrag zu Wohnanlage

Seit einer Woche steht dieses Schild vor dem Eingang unserer Siedlung.