Mir tut noch alles weh, denn gestern habe ich am internationalen City-Wall-Run in Xi’an teilgenommen . Einmal auf der Stadtmauer die Innenstadt umrunden, Gesamtlänge 13.7km.
Beginnen sollte das Ganze um 8:40, die Läufer sollten deshalb schon um 8:00 da sein und ich hatte meinen Wecker auf 6:30 gestellt. Selbst schuld, bin ja schon fast ein Jahr in China und hätte mir denken können, dass das nicht pünktlich anfängt…
Kurz nach 8 war ich am Southgate, wo die Läufer mit Tänzen und lauten Trommeln begrüßt wurden. Gwen (aus unserer Personalabteilung), Jens (Kollege aus Suzhou) und Guo (unser Company-Driver) waren auch da. Jens ist ca. 2m groß und blond, sodass wir uns im Gedränge schnell fanden und ich zur Abwechslung mal mit meinen 1,94m NICHT das beliebteste Fotomotiv weit und breit war. Wie bei großen Läufen üblich hatten wir vorher Lauf-Shirt und eine Tasche für unsere Sachen bekommen. Anders als bei großen Läufen üblich konnte man jedoch die Tasche nirgendwo deponieren, die Idee (sofern vorhanden) war wohl, dass man die als Rucksack beim Lauf mit sich trägt. Zum Glück konnten wir noch eine Kollegin erreichen, die dann auf unsere Taschen aufgepasst hat.
Irgendwer erzählte dann, wir müssten uns noch registrieren. Toll, kein Schild, nix. Da hinten, auf die andere Seite des Stadttors sollen wir gehen. „Ist hier die Registrierung?“ – „Ja, aber nur für die 5km-Stgrecke“. „Wo ist die für 13.7km?“ – „Wo Bu Zhidao“ (= keine Ahnung). Aber da hinten ist ja noch ein Menschenpulk. 13.7km? Nein, dieses mal für die Halbmarathonstrecke (Chinglish: „Semi Journey Marathon“). Aber die zahlreich vorhandenen Volunteers sind hilfsbereit und schicken uns wieder auf die andere Seite des Tors, da wo wir ursprünglich herkamen. Siehe da, ein Schild „´Registration 13.7km“, davor aber nur drei grimmig dreinschauende Frauen (auch mit Volunteer-Armband), die sich dann noch demonstrativ wegdrehen als wir Ausländer uns nähern. Zu schwierig mit Ausländern zu verhandeln, besser weggucken. Wir starten dann später ohne Registrierung, interessiert ohnehin niemanden.
Ausländische Teilnehmer gab es übrigens einige, worauf die Veranstalter sichtlich stolz waren. Die Mädels mit den Länderschildern sind jedenfalls mehrmals ein- und wieder ausmarschiert (siehe Bild).

Die Läufer für die verschiedenen Distanzen kann man leicht an den Farben ihrer Lauf-Shirts unterscheiden: weiß 5km, blau 13.7km, rot Halbmarathon. Und dann gibt es noch welche in prächtigen, weiss-rot-goldenen Sportanzügen. Erster Gedanke: Toll, die haben ein paar Olympiamedaillengewinner als Ehrengäste. Aber die sind doch alle etwas zu alt, und irgendwie sehen sie von der Statur eher unsportlich aus? Später stellte sich heraus: Das waren der Bürgermeister von Xi’an und weitere Honoratioren, die haben zunächst längliche Reden gehalten (das macht man hier gerne) und sind dann als erste Gruppe an den Start gegangen. Die haben wirklich Rennen simuliert, mit Startschuss und allem. Sollen dann aber nur wenige hundert Meter gewesen sein, und wahrscheinlich hat der Bürgermeister gewonnen. Zumindest durfte er als allererster loslaufen, die anderen blieben beim Start brav hintendran.
Der richtige Start verlief dann wie erwartet chaotisch: zunächst mal wollte ein Teil der Läufer schon vor dem Startschuss los, und zudem hatten sich die Fotografen optimal direkt vor dem startenden Pulk positioniert, sodass dann im Gedränge auch noch Ausweichmanöver notwendig waren. Unterwegs wurde ich dann als Ausländer ganz besonders angefeuert, auch wenn sich 13.7km ab der halben Distanz doch recht laaaang anfühlen. Immerhin hab ich’s dann doch noch mit meiner persönlichen Vorgabe 1h:15min einmal um die Mauer geschafft. Wievielter ich wurde weiß ich nicht. Das hat ein Schiedsrichter den Läufern beim Zieleinlauf individuell zugerufen. Hat man mir nachher erzählt.
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