Dienstag, 6. Januar 2009

Indoorcycling

Ich habe während der letzten Woche in Deutschland das ungewohnte Essen so richtig genossen und einige Pfunde zugelegt, sodass ich (gute Vorsätze für’s neue Jahr…) heute Abend seit längerer Zeit mal wieder im Fitnessstudio war. Spinning. Ich hatte ja schon versprochen, das mal zu beschreiben, und heute war es besonders schön.

Aus Deutschland kenne ich Indoorcycling so: Holzgetäfelter Raum im Fitnessstudio, angenehmes Licht, je nach Fahrtrhythmus aufpeitschende oder ruhigere Musik, der Trainer gibt dazu Anweisungen und versucht einen (zB) im Geiste auf eine Berg- und Talfahrt zu versetzen.

In China ist das anders. Der Raum ist ca. 70qm groß; Boden und Wände schwarz angemalt, die Fenster nach draußen mit schwarzen Vorhängen verhängt, Fenster nach innen abgedunkelt. Die 70qm werden beschallt von 6 großen PA-Lautsprechern in den Ecken (wirklich groß, so in etwa wie Umzugskartons, die Lautstärke ist entsprechend). An der Decke hängt das komplette Repertoir an Tanzflächenbeleuchtung, von die Farbe wechselnden Spotlights über Blitzlichter bis hin zur Disco-Kugel ist alles vorhanden. Die 30 Spinningbikes (man kommt sich nah auf 70qm) sind auch von unten Farbig beleuchtet. Meistens sitzen die Damen auf den vorderen Bikes, in den hinteren Reihen dann die Männer (aber es kommt natürlich niemand wegen der Aussicht her, nein, ganz abwegig…). Ich jedenfalls komme nur wegen der Musik :-)

Die Musik… ich weiß nicht wie ich die Stilrichtung nennen soll, das meiste ist so eine Art Kirmes-Techno (heißt das so?) a la Scooter. In der Tat, auch von „Hyper Hyper“ bleibt man nicht verschont. Aber nur Scooter wäre ja langweilig. In diesem Stil gibt es unter anderem auch: „Blau, von den Bergen kommen wir“ (einfach mal googlen, da findet man genau die Version) auf deutsch. „Sex Bomb“. „Jingle Bells“ (ganzjährig im Einsatz). „Lambada“. „YMCA“. Meist immer wieder dieselben Lieder, aber heute gab es eine neue Trainerin und somit auch das eine oder andere neue Musikstück. Besonders spaßig: Ein Medley diverser Lieder von Dschinghis Khan, aber alles auf chinesisch. Für die jüngeren unter Euch: Mit „Dschinghis Khan“ von Dschingis Khan hat es Deutschland 1979 mal auf Platz 4 des Eurovision Song Contest geschafft. Ich fand das Lied damals schon gut (heute immer noch… von wegen „im Alter wird man vernünftig“…) - aber ob die Chinesen wohl wissen, dass in ihrem Spinninglied (zumindest im Original) der wilde Herrscher der Mongolen besungen wird?

Tja, und dann die neue Trainerin. Klein, chinesisch-zierlich, mit einem knapp halbmeterlangen Haarschweif. Wie wild hüpft sie auf ihrem Spinningbike, der Haarschweif dreht sich in alle Himmelsrichtungen. Dabei schreit sie immer wieder Anweisungen und bläst wie auf einer Technoparty (ich kenne so was nur vom Hörensagen) auf einer Trillerpfeife. Über eine halbe Stunde non-stop. Danach wird es ihr wohl zuviel sie steigt vom Rad, schlängelt sich zwischen den Teilnehmern durch und motiviert individuell durch unverständliche Schreie und Trillerpfeife-im-Rhythmus-der-Musik direkt in die Ohren der einzelnen Sportler. Später zählt sie (die Musik läuft weiter, die Leute strampeln im Sattel) YI - ER - SAN - HEEEEEYYYYYY und wir müssen alle in dem Takt mitklatschen und schreien. Die kleine Dame wird in ihrem nächsten Leben sicher Drill-Instructor bei der Armee.

Ach ja, zum Abkühlen kommen auch langsamere Lieder zum Einsatz. Sehr beliebt: „Dragostea Din Tei“. Und erst kürzlich wieder für ganz langsam: „Das Alles ist Deutschland“ von den Prinzen. Im Original. In einem Fitnessstudio inmitten einer Siebenmillionenstadt in Shaanxi, Zentralchina.

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