Mittwoch, 18. Februar 2009

Valentinstag

Valentinstag. Nach Weihnachten noch so ein importiertes Spaßfest, und ungefähr genauso wichtig. Die meisten Kolleginnen in der Firma haben Blumensträuße oder Knuddelpuppen auf dem Schreibtisch; am Fehlen dieser Acessoires erkennt man leicht wer noch zu haben wäre (oder wer schon zu lange verheiratet ist…). Am Abend geht es in der Stadt in etwa so zu wie zu Weihnachten (s.u.). Restaurants setzen komplett auf Pärchenbetrieb, insbesondere westliche Lokale (teuer!) sind komplett ausgebucht.

Die kubanische Band in unserer Stammdisko versucht sich an chinesischen Liebesliedern. Gruselig. Und das Valentinstag-Spezialmenu… Gedeck 1: Eine Flasche französischer Rotwein, zwei Gläser, Pralinen, eine Rose. 188 RMB. Gedeck 2: Zwei 0,7L-Flaschen Ballantine’s 15 Years Old, zwei Softdrinks, zwei Gläser, eine Rose. 888RMB.

Auf eine glückliche Partnerschaft mit Gedeck 2!

Sonntag, 8. Februar 2009

Georg, Live from Xi'an

Kann sich noch jemand an Peter Arnett erinnern? Er muss sich 1991 in Bagdad ungefähr so gefühlt haben wie ich in diesem Moment. Wobei ich nicht weiss, ob Tonnen von Sprengstoff (aka "Feuerwerk") in den Händen knallwütiger Chinesen(*) nicht noch etwas gefährlicher sind...

Weitere Beschreibungen schenke ich mir. Wer's mal erlebt hat weiss was ich meine (und wird sich bei jedem deutschen Silvester zu Tode langweilen). Wer es noch nicht erlebt hat kann es sich auch nicht vorstellen.

Bumm!

(*) Und momentan einige Kilo in der Waschküche eines mindestens ebenso knallwütigen Georg... Hehehe, morgen gibt's was!

Taxifahren in Harbin

Ich bin in den 24 Stunden in Harbin ca. zehn mal Taxi gefahren und ungefähr zwanzig Taxifahrern begegnet - der Einfallsreichtum um ein paar Yuan extra einzusammeln war enorm:

• Auf dem Weg vom Flughafen läuft das Taxameter erstaunlich schnell. Am Ende steht ungefähr doppelt soviel wie erwartet auf dem Display. Bei der Rückfahrt am nächsten Tag zeigt sich, dass man die Strecke auch für den halben Preis haben kann.

• Genau dieser Taxifahrer will mir dann noch die Autobahngebühr für die Rückfahrt zum Flughafen(!) abknöpfen… LoL!

• Ich steige in ein Taxi, der Fahrer fragt mich wohin und fährt los. Nach 500 Metern geht der Motor aus, der Fahrer faselt was von „Panne“ und ich soll umsteigen. Die Grundgebühr will er trotzdem (kriegt er nicht, ich hatte zu der Zeit schon genug Harbintaxi-Erfahrung). Als ich ausgestiegen bin steigt er ein und fährt ohne Probleme los.

• Unterwegs werden weitere Fahrgäste aufgelesen und erst für symbolische 5 Yuan ans Ziel gebracht. Die Strecke zahlt ja der Ausländer an Bord.

• Vor dem Hotel bietet mir ein Taxifahrer den Schnäppchenpreis von 100 Yuan für eine Strecke von ein paar Minuten an. Ich lache laut und herzlich. Er auch. Wir verstehen uns, er winkt den nächsten Touristen zu sich und ich mir ein Taxi von der Straße.

• Nächstes Taxi, Taxameter ist an, aber der Fahrer erzählt mir es wäre kaputt und will mich auf 40 Yuan festnageln. Ich lehne ab. Er will mich rausschmeißen. Ich lese ihm seine Lizenznummer vor und zeige auf die Beschwerdenummer (bei der ich mangels weitergehender Sprachkenntnisse niemals anrufen könnte…), und auf einmal geht das Taxameter wieder und ich komme für 10 Yuan ans Ziel.

• Und dann gab es noch den einen(!) ehrlichen Fahrer. Hat mich total verunsichert. Aber ich glaube ich habe wirklich nur die gefahrene Strecke bezahlt. Sicher bin ich mir nicht, vielleicht war er nur schlauer als die anderen (und ich).

Mag Zufall gewesen sein, und Gauner im Taxi gibt es auch in Xi’an, New York oder München. Aber in Harbin war es eigentlich am Ende nur noch spannend, welche Variante sie denn dieses mal wieder probieren… aber wenn man dochmal draufzahlt: Es scheint dem Taxifahrer eine Freude zu bereiten und kostet mich nicht viel, also was soll's?

Harbin Ice Festival

An einem Januarwochenende war ich eine Tag in Harbin, einige hundert Kilometer nordöstlich von Beijing.

In Harbin ist es momentan kalt. Sehr kalt. Das Thermometer fällt auf unter -25°C, aber für diesen Temperaturbereich hat der Mensch wohl keine Sinnesorgane mehr. Wenn man vor die Tür geht so friert man erst mal ein bisschen, nicht merklich anders als zB hier. Aber in Harbin setzt nach kurzer Zeit auf jedem unbedeckten Fleck Haut der pure Schmerz ein, ob das jetzt warm oder kalt oder sonst was ist merkt man nicht. Als ich erstmals (dick vermummt, mit Mütze und Schal, sonst wäre ich jetzt nicht mehr hier um diesen Blog zu schreiben) vor die Tür gehe möchten mir fliegende Händler noch einen Gesichtsschal (geht auch um Mund und Nase und lässt nur die Augen frei) andrehen. Ich natürlich selbstbewusst „bu xuyao“, aber nach weniger als 5 Minuten im mandschurischen Wind habe ich kehrtgemacht und mir so ein Teil gekauft:


Den Einwohnern scheint das wenig auszumachen, es gibt sogar welche die tragen nichtmal Mütze. Und man hat viel Spaß an allerlei Outdoor-Aktivitäten; neben den Schnee- und Eisskulpturen (siehe unten) gibt es am Flussufer einen regelrechten Vergnügungspark mit Schlittenhundrennen, Rutschen, Skating – und natürlich viel Lärm (würde ja sonst keinen Spaß machen).


Das Stadtzentrum lässt wie in Reiseführern zu lesen russische Einflüsse erkennen, aber eigentlich ist es sehr chinesisch: Straßenhändler mit Essen wo man hinschaut (bei den Temperaturen eigentlich nicht so naheliegend…), laute Musik aus den Geschäften (in die ich mich zwecks Aufwärmen immer wieder flüchte), und ganz viel „Hello“, „Laowai“, „May I take picture with you“…



Warum gerade nach Harbin? Wegen des Eisfestivals. Die ganze Stadt ist voller Eis- und Schneeskulpturen, die nachts angestrahlt oder von innen beleuchtet sind, selbst die Straßenlaternen sind aus Eis. Zudem gibt es mehrere große Ausstellungsgelände bei denen von Notre Dame über das Olympiastadium von Beijing bis zu Mickey Maus alles Mögliche aus Eis nachgebaut wurde. Meine Hand ist nach den wenigen handschuhfreien Sekunden, die ich zum fotografieren benötige, rot geschwollen vor Kälte. Außerdem können andere Nachts viel schönere Fotos machen als ich, daher nur ein paar wenige Eindrücke:








Das Eisfestival ist „international“, aber Harbin ist bisher die einzige Stadt, in der ich ohne wenigstens einen Hauch Survival-Chinesisch komplett aufgeschmissen gewesen wäre. Selbst im Hotel (4 Sterne, internationale Kette „zur Ferieneinkehr“) sprechen die Rezeptionsdamen zwar ein wenig Englisch, verstehen aber anscheinend keines. Wie anders wäre zu erklären dass sie auf unerwartete Fragen wie „How do I get to the Great World of Ice and Snow“ lediglich lächeln und „yes“ sagen können. Überhaupt das Hotel… kann ja sein, dass der Frühstücksraum morgens mal nicht groß genug ist, wenn alle auf einmal rein wollen. Schön auch wie die Hotelmädels „please wait a moment“ gelernt haben. Aber besonders schön ist dann, dass sie freiwerdende Plätze nur auf Chinesisch ankündigen und die meisten wartenden Ausländer wahrscheinlich heute immer noch warten.

Ach ja, weil es so schön war… wir wissen ja alle, wie fürchterlich stolz die Chinesen auf ihre Olympiamedaillen sind… daher war diese Eisskulptur sicher unvermeidlich: