In Harbin ist es momentan kalt. Sehr kalt. Das Thermometer fällt auf unter -25°C, aber für diesen Temperaturbereich hat der Mensch wohl keine Sinnesorgane mehr. Wenn man vor die Tür geht so friert man erst mal ein bisschen, nicht merklich anders als zB hier. Aber in Harbin setzt nach kurzer Zeit auf jedem unbedeckten Fleck Haut der pure Schmerz ein, ob das jetzt warm oder kalt oder sonst was ist merkt man nicht. Als ich erstmals (dick vermummt, mit Mütze und Schal, sonst wäre ich jetzt nicht mehr hier um diesen Blog zu schreiben) vor die Tür gehe möchten mir fliegende Händler noch einen Gesichtsschal (geht auch um Mund und Nase und lässt nur die Augen frei) andrehen. Ich natürlich selbstbewusst „bu xuyao“, aber nach weniger als 5 Minuten im mandschurischen Wind habe ich kehrtgemacht und mir so ein Teil gekauft:

Den Einwohnern scheint das wenig auszumachen, es gibt sogar welche die tragen nichtmal Mütze. Und man hat viel Spaß an allerlei Outdoor-Aktivitäten; neben den Schnee- und Eisskulpturen (siehe unten) gibt es am Flussufer einen regelrechten Vergnügungspark mit Schlittenhundrennen, Rutschen, Skating – und natürlich viel Lärm (würde ja sonst keinen Spaß machen).

Das Stadtzentrum lässt wie in Reiseführern zu lesen russische Einflüsse erkennen, aber eigentlich ist es sehr chinesisch: Straßenhändler mit Essen wo man hinschaut (bei den Temperaturen eigentlich nicht so naheliegend…), laute Musik aus den Geschäften (in die ich mich zwecks Aufwärmen immer wieder flüchte), und ganz viel „Hello“, „Laowai“, „May I take picture with you“…


Warum gerade nach Harbin? Wegen des Eisfestivals. Die ganze Stadt ist voller Eis- und Schneeskulpturen, die nachts angestrahlt oder von innen beleuchtet sind, selbst die Straßenlaternen sind aus Eis. Zudem gibt es mehrere große Ausstellungsgelände bei denen von Notre Dame über das Olympiastadium von Beijing bis zu Mickey Maus alles Mögliche aus Eis nachgebaut wurde. Meine Hand ist nach den wenigen handschuhfreien Sekunden, die ich zum fotografieren benötige, rot geschwollen vor Kälte. Außerdem können andere Nachts viel schönere Fotos machen als ich, daher nur ein paar wenige Eindrücke:







Das Eisfestival ist „international“, aber Harbin ist bisher die einzige Stadt, in der ich ohne wenigstens einen Hauch Survival-Chinesisch komplett aufgeschmissen gewesen wäre. Selbst im Hotel (4 Sterne, internationale Kette „zur Ferieneinkehr“) sprechen die Rezeptionsdamen zwar ein wenig Englisch, verstehen aber anscheinend keines. Wie anders wäre zu erklären dass sie auf unerwartete Fragen wie „How do I get to the Great World of Ice and Snow“ lediglich lächeln und „yes“ sagen können. Überhaupt das Hotel… kann ja sein, dass der Frühstücksraum morgens mal nicht groß genug ist, wenn alle auf einmal rein wollen. Schön auch wie die Hotelmädels „please wait a moment“ gelernt haben. Aber besonders schön ist dann, dass sie freiwerdende Plätze nur auf Chinesisch ankündigen und die meisten wartenden Ausländer wahrscheinlich heute immer noch warten.
Ach ja, weil es so schön war… wir wissen ja alle, wie fürchterlich stolz die Chinesen auf ihre Olympiamedaillen sind… daher war diese Eisskulptur sicher unvermeidlich:
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