Mittwoch, 11. März 2009

Ich mag Musik nur wenn sie laut ist

Gestern Mittag, in einem Wohngebiet. Ich habe Heißhunger auf RouJiaMo (wer es einmal gegessen hat wird verstehen warum), aber zu der Uhrzeit bin ich nicht der einzige Kunde und muss etwas warten. Auf einmal ertönt draußen laute Musik mit tiefem Bassgewummere. Klingt eigentlich vertraut, wie wenn in Deutschland ein mit Lautsprecherboxen vollgestopftes Auto mit runtergekurbeltem Fenster an einem Cafe vorfährt. Die Musikauswahl ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, eine Coverversion von „El Condor Pasa“, eine Techno-Variante von „Lemontree“ und ein Schmachtfetzen aus einem der La Boum Filme (an die Jüngeren unter Euch: fragt jemanden der in den 80ern so um die 15 war… Sophie Marceau und so...), an dessen Titel ich mich zum Glück nicht mehr erinnern kann. Und die Quelle der Musik ist auch kein Auto, sondern ein Mofa mit seitlich neben dem Gepäckträger hängendem Lautsprecher:


Jedes Lied wird kurz angespielt, nach 30 Sekunden beginnt das nächste Stück. Es ist ein fliegender CD-Händler, und wirklich - die Passanten strömen zahlreich auf die Quelle des Krachs zu (Laut? Muss ja interessant sein!) und kaufen dann die selbstgebrannten CDs. Ein kleines Kind ist ob des Spektakels ganz aufgeregt, zerrt an seiner Mama und zeigt immer wieder auf das laute Mofa. Und die Mutter? Will das Kind nicht gehen lassen, stattdessen versucht sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf etwas noch interessanteres zu lenken: Einen RouJiaMo-essenden Ausländer mit einem Elektroscooter ☺

Montag, 9. März 2009

Kultur und Abenteuer

Am Wochenende wollten wir mal etwas Kultur und Abenteuer verbinden. Mit anderen Worten: Ein Museum besuchen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinfahren. Die Buslinien sind im Stadtplan eingezeichnet, aber natürlich haben sich die Nummern und Streckenführungen der Busse seit dem Erscheinen unseres Plans komplett geändert. Die Fahrpläne an den Haltestellen sehen in etwa so aus:


Unser Ziel finde ich da zwar nicht, aber anhand der wenigen mir bekannten Schriftzeichen finden wir wenigstens einen Bus in die richtige Richtung. Anfangs noch angenehm leer (alle Sitzplätze belegt, ca. 20 Personen stehen) wird der Bus nach wenigen Haltestellen so richtig schön voll. Über die Bordlautsprecher läuft laute klassische Musik, immer wieder unterbrochen von der Aufforderung, doch bitte nach hinten durchzugehen (Gerne! Dazu müssten sich allerdings die 50 Leute im hinteren Teil irgendwie in Luft auflösen…).

Nahe am Ziel kommt der Bus nicht weiter und wir steigen aus. In Xi’an wird gerade eine U-Bahn gebaut, und die Hauptverkehrsstraßen haben sich in Großbaustellen verwandelt. Von einer Brücke bekommt man einen schönen Einblick:


Ein Arbeiter steht (ungesichert) auf einem Absatz in 10 Meter Höhe und entfernt Erdreste


Irgendwann wird es zu eng, aber zum Glück gibt es ja hilfsbereite Baggerfahrer



Rund um die Baustelle das übliche Verkehrsgewusele (haben wir jetzt Links- oder Rechtsverkehr? Eigentlich egal…)


Während sich die Fußgängermassen über Brücken quälen.


Von der Baustelle ist man zu Fuß in zehn Minuten am Museum. Der Eintritt ist frei, aber ein Ticket braucht man trotzdem – und um Schwarzhandel vorzubeugen erhält man ein solches nur gegen Vorlage des Ausweises. Den haben wir natürlich nicht mit, also: Museum ein anderes Mal. Aber dem Treiben auf den Straßen Chinas zuzusehen ist selbst nach über einem Jahr hier immer noch die beste Unterhaltung.