Freitag, 17. April 2009

Komplimente

Um diesen Text zu relativieren möchte ich mit einem kleinen Quiz starten. In unserem Aufzug hängen Anzeigen. Eine für gutes Essen, die andere für ein Schönheit. Welche Menschen werben wohl für was?



In China ist es ganz wichtig, „Gesicht“ zu haben. Man kann sich selbst zum Beispiel „Gesicht“ geben, wenn man ein dickes aufgemotztes Auto fährt (die Fahrkünste sind dafür nicht relevant), eine Rolex trägt, in westlichen Restaurants essen geht (das schließt 麦当劳 ausdrücklich mit ein)oder teure Geschenke macht. Und man kann anderen „Gesicht“ geben indem man nette Dinge sagt. Klingt wie “loben” oder “Komplimente machen”, geht aber weit darüber hinaus.

In der ersten Woche meinte eine Kollegin zu mir, ich sei “very young”. Ich schaue etwas verdutzt... daraufhin holt sie ihren Übersetzungscomputer raus (den haben hier alle), tippt was ein und sagt “sorry, wrong word. You are very handsome”. Lächelt mich nochmal an und geht weiter.

In der Disco wird man auf der Tanzfläche von wildfremden Mädels mit “you dance so well and you are so handsome” angesprochen. Das härtet irgendwann ab. Trotzdem gibt es noch Überraschungen, etwa als ich mich kürzlich im Fitnessstudio ausruhe und der zweite Satz der jungen Dame, die sich neben mich setzt, ist “You are so strong! I watched you, you never make a break!”. Der Humor dieses Satzes sollte sich zumindest all denen erschließen, die mich persönlich kennen. Der erste Satz war übrigens “Hello!”.

Aber auch das lässt sich noch steigern. Kürzlich in einem Museum etwa 80 Kilometer westlich von Dunhuang, am Rande der Taklamakan-Wüste. Das Museum ist eine riesige Anlage, trotzdem gibt es nur wenige Besucher. Liegt wohl daran, dass der Ort etwas abgeschieden ist. Zwei junge Damen werden uns als Führer zugeteilt, die eine hat Ahnung und die andere spricht Englisch.

Allerdings ist die englischsprachige Führerin extrem nervös, wir sind wohl ihre ersten echten Ausländer. Sie hat Angstschweiß auf der Stirn und bekommt kaum einen Satz raus. Ich versuche also, sie zu beruhigen und lobe ihr Englisch (Gesicht geben!). Es wirkt, sie entkrampft sich und fragt (wie in China üblich) gleich mal ein paar persönliche Themen wie Beruf, Alter und Wohnort ab. Constanza schaut nur zu und grinst. Dann fängt die Führerin an, mir Gesicht zu geben: “You are so great!”. “Your Chinese is so good” (dabei muss sie mit ihrer Kollegin immer erstmal 2 Minuten diskutieren, um herauszukriegen was ich meine wenn ich versuche einen Chinesischen Satz zu sprechen). Später will sie meinen chinesischen Namen wissen (haben wir hier alle, meiner ist 穆乔治), und bevor ich intervenieren kann gibt ihr Constanza meine Visitenkarte mit dem Jobtitel: “Oh... You're a boss! You are so clever! And so great! I admire you!”. Ich beiße mir auf die Zunge um nicht zu lachen, Constanza grinst immer breiter. “You are so tall! And so handsome!”. Die Führung war dann gottseidank bald zu Ende.

Ach ja, das Quiz. Die Lösung:


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